Leserbrief: Die Freude an Weihnachten nicht verderben lassen!

10.12.1994

alexander maischein

Wenn man dieses Jahr durch die vorweihnachtlichen Straßen wandert, die Weihnachtsmärkte mit ihrem romantischen Zauber besucht oder einfach an den Adventssonntagen in den reichlich besuchten Gottesdiensten weilt, stellt man mit Bedauern fest, daß sich dieses Jahr einfach kein richtiges Weihnachtsgefühl einstellt. Die Menschen sind gehetzt, verunsichert und gequält. Nicht nur der Einzelhandel leidet an der offensichtlichen Weihnachtsmüdigkeit. Es will einfach keine rechte christliche Freude und Glückseligkeit aufkommen. Zu viele schreckliche Meldungen aus aller Welt und direkt vor der Tür, zerstören jeden noch so gut gemeinten Willen ein richtig schönes, friedliches und besinnungsvolles Weihnachtsfest mit einem netten Essen, ein paar kleinen Aufmerksamkeiten und dergleichen mehr vorzubereiten.

Der gehetzte Christ sieht sich in diesem Jahr einem richtigen Psychoterror ausgesetzt der ihm jede Lust an Weihnachtlichkeit nimmt. Da soll man an die vielen hungernden und verstümmelten Kindern, Frauen und Männer in Bosnien denken, die gerade jetzt (boshafterweise) wieder besonderen Martyrien ausgesetzt sind. Man hört Schreckensmeldungen über Gewalt an Kindern, über Gewalt von Kindern, über Gewalt links und rechts von uns. Und wenn es keine Gewalt ist, dann ist überall Armut; Arbeitslosigkeit, zerstörte Familien, verkommene Werte, Verfolgung und Haß Jedem und Allen gegenüber. Man muß sich anhören, daß jede dritte Ehe geschieden wird, daß Scheidungswaisen diese und jenen psychische Probleme haben, daß wieder Obdachlose erfrieren werden, daß Leute gegen Altersheime klagen, daß Sozialprogramme gestrichen und Beratungsstellen geschlossen werden. Man wirft uns Unmenschlichkeit vor weil wir hunderttausende Menschen in Kriegsgebiete abschieben, weil wir keine Penner in unseren Parks dulden wollen, weil wir Alkoholiker und Drogenkranke ächten, weil wir Behinderte schneiden und verachten, Kinder und Alte am liebsten in Kasernen einpferchen würden, weil wir Tiere quälen und vergiften.

Man geht allen ernstes soweit, daß man uns vorwirft wir wären gar keine richtigen Christen mehr und wir hätten es daher gar nicht verdient Weihnachten zu feiern. Es wird gar behauptet, daß viele von uns weder an Gott glauben noch jemals die Bibel gelesen hätten, daß unsere Kinder nicht im christlichen Glauben sondern im Konsumglauben erzogen würden. Das Ich wäre wichtiger als das Wir. Der Eigennutz heiliger als die Gemeinschaft. Böse Zungen sagen, das moderne Weihnachtsfest wäre ein symbolischer Tanz um ein goldenes Kalb zu Ehren der satanischen Kräfte und wir Christen seien ein in die Irre geführtes verlorenes Volk.

Meine lieben Mitchristen gebt nicht auf. Wir werden es diesen Miesmachern zeigen. Sie sollen sehen wie am Weihnachtsabend die Kirchen überquellen, wie sich die glänzend verpackten Herzensgaben vor den festlich geschmückten Weihnachtsbäumen türmen. Wie wir alle mit Fröhlichkeit und Liebe im Herzen unseren Mitmenschen die Türe öffnen und heilige Lieder singen. Unsere Kinder werden lustige Gedichte vortragen, wir werden ergriffen zuhören und alle werden spüren, daß wieder etwas Großes passiert ist. Das unser Herr Jesus Christ zu uns auf die Erde gekommen ist um mit uns das Fest zu feiern, welches wir schließlich nur ihm zu Ehren und sonst ohne jeden Hintergedanken feiern. Wieder werden Wir ein Stückchen menschlicher und die Welt ein klein wenig besser sein.

Mitchristen gebt nicht auf, den es lohnt sich für dieses Ziel zu feiern. Amen!

Alexander Maischein, Sandtorferweg 99, 68623 Lampertheim