N achts

alexander maischein

Hände krallen sich in Kissen. Schweißtropfen wachsen auf der Stirn, perlen auf und befeuchten den Stoff auf dem er liegt. Unruhige Bewegungen erfüllen den Raum. In sein Unterbewußtsein dringt das Geräusch der Insekten, die sich im Vorhang verfangen haben und nun unter wütendem Gesumme ihren Weg in die Freiheit suchen. Es ist schwül und die Nacht ist laut. Blätter rauschen in der Ferne. Reifen jaulen auf und ein Auto entfernt sich laut protestierend in der Ferne. Der volle Mond steht am Himmel wie ein Scheinwerfer und beleuchtet die Szene. Kaltes Licht wirft Schatten auf seinem Gesicht und brennt wie Eis in seinen Augen. Er ist wach, sein linker Arm über die Augen gelegt. Unwirkliche, ferne Gedanken bahnen sich einen verschwommenen Weg in sein Bewußtsein. Träumt er oder ist er wach? Er weiß es nicht.

 

Er sieht zwei Körper die sich nicht bewegen. Sie liegen dicht nebeneinander, auf Decken, frei von jeder Kleidung. Mann und Frau. Es ist hell und doch dunkel in dem Raum. Die Konturen der Beiden ist deutlich zu erkennen. Keine Gesichter nur Körper. Bewegung - eine Hand sucht den Kontakt - ein unbewußtes Strecken - vielleicht ein schöner Traum? Die Frau öffnet sich. Sie liegt frei und ihr Körper spannt sich unbewußt an um gleich wieder zu entspannen. Die Hand des Mannes scheint ihre Suche erfolgreich beendet zu haben. Er richtet sich leicht auf, beugt sich über ihren Oberkörper. Augen schauen auf Haut - Hände fühlen. Zärtlich und doch brutal besitzt er ihre Brüste. Sie dehnt sich, reckt sich seinen Händen entgegen - ein unterbewußtes Stöhnen erfüllt den Raum. Ihre Augen sind geschlossen, ihr Blick löst sich von der Realität. Seine Lippen ergreifen ihren Mund, wandern über ihr Gesicht, zielsicher erobern sie erneut ihren Besitz. Ihre Hände greifen nach ihm. Schließen und öffnen sich, Halten seinen Arm, suchen sein Haar. Sein Kuß nimmt Besitz von Ihr. Sie gehört ihm.

 

Der Mann fühlt Schmerz und Lust in seinem Wachtraum. Realitäten vermischen sich mit Träumen, Vergangenheit mit Zukunft.

 

Er sieht nun wieder diese Beiden Körper. Nun in starker Bewegung. Die Frau ist über dem Mann. Ihre Bewegungen sind stoßweise, ihr Gesicht ist verzerrt. Sie hat die Augen geschlossen. Seine Hände halten ihre Hüfte umfangen und lassen sie nicht weg, ziehen immer wieder im ekstatischen Rhythmus. Geschäftsmäßig zu tun was zu tun ist. Zu erledigen was sein ist. Ihr Körper arbeitet gewohnte Abläufe. Zu tun was zu tun ist. Leise Laute der Lust, des Genusses erfüllen die Luft. Hemmungslosigkeit schleicht sich in die Szenerie. Immer kräftiger werden ihre Bewegungen, immer wilder die Aktionen. Keuchende Atem, Schweiß bei jedem Aufbäumen der Beiden - noch immer kein Gesicht. Klammerndes Fleisch, Momente der Lust und dann ein Schrei, ein Stöhnen. Stimmen vermischen sich, werden lauter und dann wieder leiser. Ein letzter Kuß und ein erschöpftes aufeinanderlegen.

 

Der Mann erstarrt in seinem Traum. Sein Körper bebt vor Verlangen und vor Schmerz. Es scheint so als würden die Beiden sich im Raum befinden, als wären sie in ihrer kalten Befriedigung ganz Nahe. So als ob sein Geist zu ihnen gewandert war und ihre Lust geteilt hätte, bei ihnen im Raum, mit ihnen auf dem feuchten Laken. Da rutscht sie langsam von dem Oberkörper des Mannes und dreht sich mit einer erfüllten Bewegung herum.

Er sieht ihr Gesicht,

er erkennt ihr Gesicht.

Und er weiß das er ein Verlierer ist.