der tag an dem herr m glücklich war


alexander maischein

es war ein warmer maitag als herr m das haus verließ. heute morgen war er mit einem guten gefühl aufgewacht und er war verunsichert deswegen, denn er hatte schon seit einem halben jahr kein gutes gefühl mehr gehabt. zumindest vermutete er, daß es ein gutes gefühl war. eine wohlige zufriedenheit durchströmte ihn und er streckte und reckte sich als wollte er versuchen die sonne zu berühren oder doch zumindest den vögeln hallo zu sagen welche vor seinem schlafzimmerfenster einen lustigen und vergnügten lärm veranstalteten. jetzt lief er die strasse hinunter, vorbei an dem kleinen teich an dem er jeden morgen vorbeikommt und der immer etwas trübe ausgesehen hatte doch heute schien es herrn m so als würde ihm der teich ein fröhliches guten morgen entgegenrufen und eine der enten, die herr m immer wegen ihrer zufriedenen untätigkeit verachtet hatte - eine dieser enten streckte sich in die höhe, spreizte ihre flügel und schüttelte dann alle ihre federn kräftig durch so als wolle sie sagen , komm laß uns ans werk gehen, es ist ein schöner tag und es gibt viel zu tun.

herr m fühlte sich wie im traum, beflügelt und getragen von einer lange nicht mehr gespürten euphorie und er schwebte, oder nein er rannte eher die strasse entlang als könne er es nicht mehr erwarten seine guten gefühle und seine freude umzusetzen in taten. sie vielleicht mittzuteilen, die welt zum lachen zu bringen. es war einfach alles schön, die menschen erschienen herr m heute so freundlich und selbst der sonst so bösartige hund der ihm immer die letzten meter zu der bushaltestelle vermieste, schien heute ein freundliches gesicht zu haben und das knurren und kläffen war doch eher ein zeichen der zuneigung, welche der hund nicht anders auszudrücken vermochte. und als herr m schließlich wie immer am morgen eilig über die straße hin zu dem amt eilte, in dem er jeden tag unter der woche acht stunden verbrachte mit tun oder nichtstun, sah er sie wieder. sie stand da wie jeden morgen und wartete bis sie in das große rote auto einsteigen konnte welches von dem gutaussehenden, erfolgreichen mann mittleren alters, wie jeden morgen um diese zeit aus der garage gefahren wurde. sie stand da in ihrer unereichten schönheit und anmut und heute, ja heute sah sie zu ihm herüber und er wußte in diesem moment ganz genau, daß sie ihm zulächelte. ihm und nur ihm schenkte sie ein lächeln und hob dabei unmerklich die hand wie nur eine frau wie sie eine war - eine frau von der herr m nur träumen durfte - wie nur solch eine frau ihre hand heben konnte um einen mann wie herr m es war zu grüßen.

herr m blieb stehen, schaute zu ihr herüber und wußte daß heute der tag war der nur für ihn bestimmt war. langsam setzte sich herr m auf den randstein einige meter entfernt von dem großen schönen haus des mannes der frau. er senkte den kopf, faßte sich mit der rechten hand an die stirn, hielt mit der linken hand den koffer für die arbeit und er weinte leise in sich hinein denn er war glücklich. und so weinte er leise weiter ohne zu merken wie der verkehr um ihn herum dichter wurde, die menschen wieder trauriger, der hund böser und die ente träger. längst war die frau in das schöne große rote auto des gutaussehenden, erfolgreichen mannes mittleren alters eingestiegen, hatte ihn zärtlich geküßt und war mit ihm im dichten verkehr der stadt verschwunden.