Der Weg

alexander maischein

Weites Land soweit man sehen kann. Weites Land soweit man fühlen kann. Ruhe und manchmal doch soviel Lärm. Licht und manchmal doch nicht genug, um zu sehen wo es weiter geht. Ein strahlend blauer Himmel lädt zum fliegen ein. Weiße kleine Wölkchen - gemütliche Kissen vielleicht? - vielleicht Geborgenheit? - vielleicht nur Wasserdampf? Und vor Dir eine große Ebene mit vielen Bergen, mit Flüßen, und Seen mit Meeren aus Inseln, zwischen Tälern bewachsen mit Bäumen. Doch wo ist der Weg?

Stimmt das Gefühl welches da sagt "Du mußt weiter, immer weiter, hin zum Ziel, geschwind?" Oder darfst Du stehen bleiben - einfach verweilen alle Zeiten, Tage und Nächte, Winter und Sommer. Stehen bleiben wie ein Baum, dazu bestimmt den Platz zu bewachen an dem er geboren, an dem er groß wird, seine Äste und Zweige gewitzt in den Himmel streckt, Blätter erzeugt, Vögel beheimatet, im Sommer Schatten spendet und im Winter Schutz vor dem kalten Wind bietet, um eines Tages erfüllt und der Natur ergeben zurückzugehen in die Erde - an den Platz an dem er geboren an den Platz an dem er stirbt. Aber bist Du ein Baum?

Ist dort nicht der Anfang eines Pfades? Nein, Du bleibst stehen und fragst Dich "Muß ich weiter hinab in die Täler aus Bergen, in die Inseln aus Meeren? " Und wenn Du dann so dastehst mit Dir kämpfst und zweifelst. Tausend Gründe findest für und wider, wirst Du auf einmal gestoßen. Hineingestoßen in die Weite vor Dir. Und wie Du noch so fällst in die Weite und Dich fragst, warum daß so sein muß, verschwindet vor Dir die Weite und macht Platz allerlei Wegen und Pfaden. Manche Gänge und Tunnel und immer mehr Öffnungen tun sich auf und aus allen stürzen Marktschreier und brüllen und toben und rufen Dich zu sich. Ihr Weg ist der Beste, Ihr Weg ist der Richtige, Sie wissen was Du fühlst, Sie wissen was Du brauchst, Sie lieben Dich, Sie wollen Dich, Sie kriegen Dich und dann bist Du gerettet???

Vergessen schon, daß Du gestoßen wurdest, vergessen was geschah, vergessen wer Du warst? Weißt Du wer Du bist??

Doch halt - nicht alle Wege können gut und richtig sein. Was sollen die Ecken, die scharfen Klingen, das kalte Glitzern weit hinten im Gang, was bedeudet das Knurren, das stille Klagen, die warnenden Stimmen?

Was sollst Du tun? Wem kannst Du trauen? Was ist richtig und was ist falsch? Oben ist Unten und Unten ist Oben. Schwarz wird blaß und die Nacht ist hell und strahlend.

 

 

 

Immer lauter schreien und toben die Seelenfänger an den Türen ihrer Wege, immer mehr gesellen sich dazu und immer schauriger wird der Orkan ihrer Lockungen.

"Laß Dich fallen! Laß Dich fallen! Laß Dich fallen! Laß Dich

fallen! LAß DICH FALLEN LAß DICH FALLEN ! ..."

dröhnt es in Deinem Schädel, rüttelt es in Deiner Seele.

Schreie - Schreie in Dir bis Du nicht mehr kannst - Verzweifle...

 

. . . . ...Manchmal spürt man, daß man an einer Hand genommen wird. Eine Hand, manchmal stark, manchmal zärtlich, greift nach Dir und hält Dich fest. Oft merkt man dies nicht. Oft glaubt man auch, daß ein Marktschreier nach einem gegriffen hat und reißt sich los... aber manchmal, manchmal packt diese Hand fester zu und manchmal streichelt sie nur zärtlich durch den Orkan der Schmerzen und sucht einen Zugang zu Deiner Seele.

 

Ach, wäre man doch in der Lage die Hand zu spüren, ach, würde man ihr trauen, würde sich öffnen. Man würde sehen wie sich die Türen in große Wiesen verwandeln würden, die Wege wären herrliche Wälder, die Tunnel wären Flüße mit köstlichem Wasser und die Marktschreier und Seelenfänger würden sich in wundervoll, fröhlich singenden Vögel mit prächtigen Federn verwandeln. Berge wären wieder Berge und Meere wären wieder Meere. Ein Gefühl des Glücks, der Wärme und Freude würde um Einlaß bitten. Du würdest dort stehen und in die weite Ebene schauen. Es wäre kein Weg weit und breit zu sehen und Du würdest Dich fragen "Muß ich nun weiter oder kann ich hier bleiben?" Und tausend Gründe wären zu bedenken und tausend Stunden würden vergehen. Du würdest dort sitzen und es wäre Tag und es wäre Nacht, Sommer und Winter, Warm und Kalt.

Würde dann jemand des Weges kommen. Ein Wanderer auf der Suche nach dem Morgen oder ein Reisender mit dem Gedanken beim Gestern so würden sie vielleicht eine kleine Melodie vernehmen. Ein Lied der Wärme und des Glücks welches Du vor Dich hersummst und vielleicht würden sie sich zu Dir setzen.

Es könnte auch sein, daß Du jemanden auf Dich zufallen siehst. Ein Mensch mit gehetzten Blick, mit Schmerzen und Leid in den Augen. Mit stummen Schreien in seinem Herzen. Er taumelt an Dir vorbei - seine Hände weit von sich gestreckt, verkrampft und flehend als sehe er einen tiefen Abgrund vor sich - Vielleicht greifst Du dann zu und nimmst seine Hand - vielleicht bemerkt er Dich nicht - vielleicht sagt er nichts zu Dir - und vielleicht reißt er sich los und taumelt weiter wer weiß das schon...?

 

 

Kannst Du die Hand spüren?

Kannst Du nach ihr greifen?

Dann weißt Du auch wo Dein Weg ist. Man kann ihn nicht sehen und nicht hören aber Du kannst ihn fühlen denn er ist für Dich da und er ist Dein Freund. Du brauchst dann nicht zu erschrecken wenn Du vor einer weiten Ebene voller Berge und Meere, voller Täler mit Wäldern stehst und keinen Weg siehst.

... Frage Dich und vertraue Dir denn Du weißt was zu

tun ist....

 

Spüre die Hand !

Halte sie fest!

Gehe Deinen Weg!